Kamerun 5

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Kamerun 5

Postby Wolfgang on Sun Sep 21, 2008 4:48 pm

Kamerun 5

Endlich war die Wohnungssuche erfolgreich. Das warten, das teure telefonieren, die Taxis und der Einsatz etlicher Freunde hat sich gelohnt. Im Stadtteil Medong, etwas ausserhalb der City, konnte ich jetzt ein kleines Apartment bestehend aus drei kleinen Raeumen, einer Toilette und Dusche sowie einer winzigen Kueche, anmieten. Die kleine Wohnung dient fortan auch als Buero fuer WPE Kamerun.

Die monatlichen Fixkosten sind jetzt wesentlich reduziert und das Leben insgesamt ist komfortabler. Die Wohnung liegt an einem Berghang und der Weg nach oben zur Hauptstrasse ist sehr steil und demzufolge mit mehrmaligem taeglichem Trainingsprogramm verbunden. Es ist ruhig und fast laendlich. Viele farbenfrohe Voegel, Froesche und Huehner wecken mich bereits am sehr fruehen morgen auf.
Die nicht vorhandenen Buergersteige werden schon am fruehen Abend hochgeklappt.

Nicht viel weiter endet das staedtische Yaounde und es gibt sekundaeren Regenwald in dem sogar noch kleine Affenarten vorkommen.
Ausser den Voegeln und Froeschen sieht man auch kleine Echsen und ab und an kommen auch noch Schlangen vor die aber von den Einheimischen sofort getoetet werden. Meist handelt es sich um gruene Mambas oder Vipern.
Auch hier sieht man selten einen „le blanc“, einen Weissen. Die Menschen in Yaounde kommen aus allen Landesteilen und man kann an der Hautfarbe, den Gesichtszuegen und der Statur erkennen das Yaounde ein Schmelztiegel vieler verschiedener ethnischer Kulturen ist. Nicht weit entfernt leben die kleinen Pygmaen in den Regenwaeldern und hoeher im Norden Menschen die schon mal weit ueber zwei Meter hoch gewachsen sind.

Der Medong Markt ist nur ca. einen Kilometer entfernt. Ganz in der Nahe gibt es ein Spezialitaetenrestaurant in dem Bushmeat angeboten wird. Auf der Speisekarte stehen Vipern, Affen, Stachelschweine und viele andere wilde Tierarten. Ich versuche ein Foto der Speisekarte heimlich aufzunehmen und veroeffentliche das demnaechst. Geraeucherte Affen gibt es auf jedem Markt in Yaounde zu kaufen. Das Fotografieren ist allerdings brisant.
Nach all den freundlichen Bekanntschaften musste ich gegen Ende der letzten Woche auch die Bekanntschaft mit einem weniger netten Mann machen. Beim sitzen im Strassencafe und heimlichen fotografieren von Passanten stand ploetzlich jemand laut schimpfend vor mir. Die Situation war nicht ungefaehrlich und nur durch eine zur Schau gestellte Teilnahmslosigkeit meinerseits unter Kontrolle zu halten. Mama Afrika mit ihren Pfunden konnte den aufgebrachten Mann dann aber weiter schicken.
Wie ich spaeter erfuhr hat der gleiche Mann es grundsaetzlich auf Weisse abgesehen. Erst kuerzlich soll er einen Mann bedroht und geschlagen haben und die Situation fuer den Weissen wurde erst durch die Zahlung von Geld an den Mann beendet. Eine solche Loesung von Problemen kommt allerdings fuer mich in keinem Fall in Frage.
Wie ueberall auf der Welt gibt es unter all den friedfertigen Menschen eben auch solche die es nicht sind. Man muss deshalb versuchen solche Menschen zu meiden und z.B. Blickkontakte zu vermeiden. Sich auf Diskussionen einzulassen hat niemals ein positives Ende.
Am gleichen Tag, etwas spaeter, standen wir waehrend einer Taxifahrt in einer verrufenen Gegend im Stau. Auch dort waren einige Menschen nicht gerade freundlich auf Weisse eingestellt wie man unschwer spueren konnte. Ich hatte bereits vorher darauf hingewiesen das man als Weisser einige Stadtteile besser meidet. Oft ist es hier auch fuer Einheimische nicht ungefaehrlich. Armut trifft hier mit Dummheit und Alkoholismus zusammen.

Der vorletzte Sonntag war dazu bestimmt in einen der Nationalparks in Yaoundes Naehe zu fahren. Hier gibt es eine Auffangstation fuer Gorillas, Schimpansen und andere Affenarten. Innerhalb des etwa 1000 Hektar grossen Sekundaer Regenwaldes werden verschiedene Gehege, abgesichert mit Hochspannung, betrieben. Zwischenstation fuer konfiszierte Tiere. Insgesamt geht es den Tieren dort besser als Tieren im Zoo. Sie leben in ihrer natuerlichen Umgebung in relativ grossen Gehegen. Trotzdem sollten diese Tiere in Freiheit leben nur leider besteht dort die Gefahr das die Tiere sofort wieder Opfer der Wilderer oder einer der unzaehligen grausamen Fallen werden. Viele der Tiere haben ausserdem keinen Bezug mehr zur wirklichen Wildniss und sind durch die Erlebnisse des Todes der Elterntiere traumatisiert.

Genaugenommen ist der Besuch solcher Einrichtungen depremierend. In dem kleinen Nationalpark gibt es ein Education Center und die Mitarbeiter sind gut geschult und darauf eingestellt unsere Schulklassen, bei Einzelaktionen, naturnah zu unterweisen. Einige Freiwillige, Volunteers, kuemmern sich um die Schimpansenbabys.

Einer der Projektbestandteile von WPE ist betroffenen Tieren Alternativen zu bieten. Die Einrichtung weiterer Auffangstationen in natuerlicher Umgebung ist Teil der WPE Projekte in Planung bedarf aber massiver finanzieller Unterstuetzung.

Das zur Zeit wichtigste WPE Projekt der Schulung ist und bleibt der wichtigste Schritt um diese Tiere wenigstens indirekt und nachhaltig zu schuetzen. Bei den Kindern stoesst das auf eine sehr hohe Resonanz.
Zur Zeit arbeite ich, zusammen mit Vivian und Emmanuelle, mit Kindern in zwei englischsprachigen Klassen. Der normale Schulunterricht nach den Ferien hatte letzten Montag begonnen.
Man muss sich vorstellen das die meisten der Kinder nie ihrem Leben im Regenwald waren, praktisch keinerlei Kenntnisse ueber die Natur in der sie leben besitzen und niemals einen Gorilla, Schimpansen oder Elefanten lebend gesehen haben. Die Natur mit ihren Bewohnern wird von den Menschen eher als Bedrohung verstanden.

Der „Environmental Education“ Unterricht in dieser Woche ist wieder auf eine unbeschreiblische Begeisterung bei den Kindern gestossen die Ihre Erfahrungen auch an die Eltern weiter geben. Man kann diese Begeisterung an den Fotos nachvollziehen. Mit Mitgliedsbeitragen und gespendeten Geldern werden deshalb in Kuerze auch Aktionen finanziert die den Kindern ermoeglichen Klassenfahrten in den Regenwald zu unternehmen.

Bereits jetzt sind einige Kinder soweit beeindruckt das diese, sollte von den Eltern Affenfleisch serviert werden, die Kinder die Nahrung verweigern.
Der WPE Naturschutz Unterricht wird in Kuerze auch in abgelegenen Regenwald Gebieten etabliert. In dieser Zeit ist keine Internet Verbindung moeglich und ich bitte schon jetzt um Geduld. Die Berichterstattung wird dann etwas zeitverzoegert stattfinden.
Volunteers zur Unterstuetzung der Bildungsprojekte sind jederzeit herzlich willkommen. Die Projekte stossen auch auf offizieller Kameruner Seite auf eine hohe und aeusserst positive Resonanz.

Die letzten Tage gab es wieder haeufigen Regen. Die anfaengliche Begeisterung bezueglich der besseren Internet Verbindung in einem der Cyber Cafes in der Nahe ist blosser Ernuechterung gewichen. Uebers Wochenende war die Verbindung teilweise gar nicht vorhanden und es war nicht moeglich meine emails abzurufen geschweige mich irgendwo einzuloggen.

Ich gehe davon aus das mit den naechsten Sonnenstrahlen auch die Internet Verbindung wieder besser ist.

Der naechste Report Kamerun 6 erscheint vermutlich etwas spaeter verspricht aber viel Abwechslung und es wird ueber abgelegene Regenwald Gebiete, eine Schimpansen Auffangstation und ueber den Fortgang der Bildungs Projekte in abgelegenen Regenwald Gebieten berichten.

Fotos zu allen Themen, wie ueblich in der Rubrik Fotogalerie, auf der WPE Homepage: http://www.wildplanetecoproject.org
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